nicht eingeloggt  einloggen

Reparatur Antrieb Thermomix TM21

Bei einem 17 Jahre alten Thermomix TM21 hat sich beim Zerkleinern von gefrorenen Früchten plötzlich das Problem gezeigt, dass das Messer sich nicht mehr drehte und das Gerät einen sehr lauten Heul-/Quietschton von sich gab. Ein Geräusch dieser Art kenn ich z.B. von meiner Kreissäge, wenn das Sägeblatt blockiert und der Zahnriemen durchrutscht, oder wenn bei einem Getriebe ein Zahnrad durchdreht.

Da das Gerät damit als Totalschaden gilt, hab ich es mal zerlegt, um zu sehen, was da genau defekt ist. Auch mit dem Hintergedanken: Vielleicht kann man ja doch noch was reparieren. Und falls nicht, sieht man zumindest mal, was da drin so alles verbaut ist.


Antrieb im Gehäseboden
Antrieb im Gehäseboden
Gehäseboden; Gehäseschrauben rot, Schrauben für Antriebsträger gelb
Gehäseboden; Gehäseschrauben rot, Schrauben für Antriebsträger gelb
Um in das Gerät zu gelangen, müssen zuerst 6 Schrauben gelöst werden (4 am Boden, 2 an der Rückseite oben). Der Schraubenkopfantrieb ist ein Torx-TR 20; Bits dieses Typs sollten in jedem grösseren Bitkasten vorhanden sein. Für eine der Schrauben braucht man eine dünne Verlängerung, oder alternativ eine gute lange Spitzzange, mit der man den Bit hält. Da die Schrauben unterschiedliche Längen haben (lang + kurz), sollte man sich merken, welche Schraube wo war. Sind die Schrauben gelöst, lässt sich der weisse Deckel nach oben abhebeln (ein paar Plastiknasen halten ihn noch an der Basis in Position).


Platine für Bedienelemente
Platine für Bedienelemente
Die Kabelverbindungen zur Platine am Deckel sind alle nur gesteckt und lassen sich vorsichtig lösen. Das grüne dickere Kabel lässt sich am einfachsten lösen, wenn der kleine Sicherungsstift gedrückt wird.


Sicherheitsschalter mit Aufnahme für Topf
Sicherheitsschalter mit Aufnahme für Topf
Ist der Deckel entfernt, entnimmt man auch gleich den Drehkopf des Sicherheitsschalters. Dieser ist einfach nur aufgelegt; evtl. fällt der beim Abnehmen des Deckels auch schon von selbst herunter.


Topfaufnahme mit Messerkupplung
Topfaufnahme mit Messerkupplung
Weil man auch grad gut hinkommt, kann man als nächstes die Kupplung für den Messerantrieb entfernen. Das sind einfach nur 3 kleine Kreuzschlitzschrauben, die ohne viel Kraftaufwand aufgehen. Man muss lediglich die Achse etwas festhalten, dass die sich nicht mitdreht. Nachdem die Kupplung entfernt ist, sollte das Mitnehmerrad mit den 3 Fingern frei liegen.


Nochmal zurück zum Boden: Hier findet man 3 kleine Muttern, die die gesamte Mechanik am Boden festhalten. Diese einfach lösen. Wichtig: Jede Mutter hat auf der Unterseite noch eine Art grössere Unterlegscheibe dabei, 2 davon halten auch die Gummifüsse fest. Auf der Innenseite ist dann für jeden der 3 Stifte noch eine dünne Unterlegscheibe vorhanden, die beim Zerlegen dann sicher rausfallen werden.


Motorl&uumlfter und Staubschutz; Befestigungsschraube rot markiert
Motorlüfter und Staubschutz; Befestigungsschraube rot markiert
Weiter gehts wieder im Inneren. Der Lüfter mit Staubschutz wird im Gehäuse mit nur 1 Schraube festgehalten. Ist die gelöst, kann die ganze Einheit nach oben herausgezogen werden. Sollte es von den Kabeln her etwas eng werden, lassen sich die kleinen Metallscheiben am Boden, die die Kabel halten, mit einer Spitzzange entweder mit etwas Glück lösen oder soweit biegen, dass man die Kabel rausnehmen kann. Beim Zusammenbau sollten die Kabel da natürlich wieder befestigt werden.


Netzteilplatine; einzige Befestigungsschaube rot markiert
Netzteilplatine; einzige Befestigungsschaube rot markiert
Die Platine mit dem Trafo ist auch nur gesteckt und mit 1 Schraube gesichert. Nach Lösen dieser Schraube kann die Platine nach oben herausgezogen werden.


Wenn man nun den gesamten Antriebsblock anhebt und von der Bodenplatte löst, hat man jetzt schon gute Sicht auf den Zahnriemen. Meine Vermutung hier war zuerst, dass sich der Zahnriemen (der sich sehr "weich" angefühlt hat) einfach im Laufe der Zeit geweitet hat und deswegen durchrutschte. Aber die Zähne des Zahnriemens waren soweit alle noch in gutem Zustand.


Antrieb auf Träger; zu lösende Schrauben rot markiert
Antrieb auf Träger; zu lösende Schrauben rot markiert
An der Unterseite des ganzen Blocks findet man 3 grössere Torx-Schrauben, die die untere Schiene am oberen Teil mit Motor und Topfaufnahme halten. Nach dem Lösen der Schrauben (sehr schwer zu lösen!), konnte dann aber recht schnell die tatsächliche Ursache für den Defekt gefunden werden: Das Plastikzahnrad, das die Kraft des Zahnriemens auf das Messer überträgt, ist in der Mitte mehrfach gerissen; somit konnte die Kraft nicht mehr auf den Sechskant der Messerachse übertragen werden. Das heulende Geräsch entstand, da das Zahnrad immer ruckweise den Sechskant übersprungen hat und der Zahnriemen dadurch zu vibrieren begann.


Ersatzteilset; Zahnrad, Kugellager + Montagematerial
Ersatzteilset; Zahnrad, Kugellager + Montagematerial
Ein passendes Ersatzteil gab es zum Glück bei Amazon. Der Preis hierfür lag zwar bei etwa 50 EUR, da jedoch neben dem Zahnrad auch noch ein Satz Kugellager + Montagematerial beilagen, war der Preis durchaus OK; v.a. wenn man den damaligen Anschaffungspreis berücksichtigt und auch die Preise, die Reparaturdienste anbieten. Die neuen Radlager haben auch nicht geschadet, das sich herausgestellt hat, dass eines der alten Lager auch bereits einen fühlbaren Knacks beim Drehen hatte.


Der Zahnriemen lässt sich einfach entfernen, in dem er erst von der Motorachse abgenommen wird. Hier einfach etwas anheben und die Achsen leicht drehen. Es ist keine grosse Kraft notwendig.


Gerissenes Zahnrad
Gerissenes Zahnrad
Da das Zahnrad durch den Defekt keine feste Verbindung mit der Messerachse mehr hatte, war ein Lösen der Achse über den eigentlichen Weg nicht mehr möglich. Somit bleibt nur eine Möglichkeit: Das sowieso schon defekte Zahnrad vollständig zestören um damit dann den Sechskant der Motorachse freibekommen. Bei mir reichte es, das Zahnrad als ganzes einfach nach unten abzuziehen.


Um jetzt den Plastikmitnehmer an der Oberseite gut mit einer Rohrzange packen zu können, ist es noch ratsam, das Hitzeschutzblech und den Heizring zu entfernen. Damit ist ein flacherer Winkel der Rohrzange und damit mehr Grip möglich.


Angeschraubte Erdungsleitung am Hitzeschutzblech
Angeschraubte Erdungsleitung am Hitzeschutzblech
Das Hitzeschutzblech ist hauptsächlich nur gesteckt und mit verdrehen der Metalllaschen gesichert. Hinten rechts gibt es nur 1 Schraube, die das Erdungskabel mit dem Blech verbindet.


Verriegelungs-elektronik des Sicherheitsschalters
Verriegelungs-elektronik des Sicherheitsschalters
Bevor der Heizring entfernt werden kann, muss zuerst die Verriegelungselektronik des Sicherheitsschalters entfernt werden. Dieser Plastikblock ist nur mit 2 normalen Kreuzsschlitzschrauben gesichert.


Schraube für Heizring, Befestigung Hitzeschutzblech, Stromanschluss Heizring
Schraube für Heizring, Befestigung Hitzeschutzblech, Stromanschluss Heizring
Sicherheitschalter + Feder für den Heizring
Sicherheitschalter + Feder für den Heizring
Der Heizring lässt sich entfernen, in dem man zuerst die roten Kabel der Stromzufuhr abzieht. Danach sollte die U-förmige Feder mit einer Spitzzange gelöst werden. Jetzt kann man die Torx-Schrauben des Heizrings lösen und den Ring aus dem Weg schaffen.


Da die alte Messerachse und der Mitnehmer zwar nur verschraubt sind, diese Verschraubung aber im Laufe der Jahre durch auslaufende Flüssigkeiten und Hitze extrem verrostet ist, wurde die Verschraubung an der Oberseite mit WD-40 behandelt. Dies hab ich dann etwa 30 Minuten einwirken lassen. Jeder andere Rostlöser/Kriechöl tut's da auch. Nach dem Draufsprühen hab ich danach immer versucht, den Kunststoff frei von WD-40 zu halten, da ich nicht genau wusste, wie sich die beiden auf Dauer vertragen werden.


Sechskantantrieb der Messerachse
Sechskantantrieb der Messerachse
Auf den Sechskant an der Unterseite passt ein normaler 10er Schlüssel. Am oberen Plastikmitnehmer lässt sich jetzt durch den abgebauten Heizring eine Rohrzange relativ flach ansetzen. Den Plastikmitnehmer kann man schon mit ner gewissen Kraft packen, jedoch immer mit Vorsicht: Es ist nur Plastik. Bricht der Mitnehmer, war's das. Ein Ersatzteil scheint es nicht zu geben, und wenn man nicht die nötigen Werkzeuge hat, sich selbst einen solchen zu fräsen oder über einen 3D-Drucker neu zu drucken, sieht es schlecht aus. Also mit "sanfter Gewalt" zupacken und die Verbindung durch RECHTS-Drehung lösen (Das ist ein Linksgewinde!).


Mitnehmer oben
Mitnehmer oben
Mitnehmer unten
Mitnehmer unten
Sollte die Rohrzange immer wieder durchrutschen, den Druck minimal erhöhen. Aber dabei immer beachten: Es ist Plastik! Es kann brechen. Spätestens dann, wenn es Verfärbungen im Material gibt oder die ersten Späne abfallen, war es zu viel.


Topfaufnahme, Mitnehmer gelöst
Topfaufnahme, Mitnehmer gelöst
Anfangs liess sich die Verbindung bei mir auch nicht lösen. Ich hab den Antriebsblock dann quer gelegt, so dass die Antriebsachse horizontal zum Boden ist. Den grossen Sechskant auf der Unterseite kann man dann mit einem Feuerzeug, Heissluftgebläse, Induktionsheizer etc. anwärmen. Es muss nicht so heiss sein, dass das Kriechöl auf der Oberseite verdampft. 2-3x Anheizen und abkühlen lassen hat bei mir gereicht um den Rost zu schwächen und die Verbindung endlich zu lösen.


Alte Achse + Kugellager
Alte Achse + Kugellager
Die alte Achse lässt sich dann mit leichten Schlägen von oben nach unten herausbefördern. Die beiden Kugellager werden mit einem Sprengring in Position gehalten. Ist dieser entfernt, kann man auch die beiden Radlager mit leichten Schlägen von oben beseitigen. Ist alles frei, kann man den Bereich + Topfaufnahme jetzt reinigen. Sollte die alte Lackschicht schon absplittern, kann man sich auch überlegen, ob man diese jetzt ganz entfernt und den Innenbereich neu lackiert. Wenn der Topf sowieso die meiste Zeit drinsteht, sieht man es ja auch sowieso nicht.


Beim Einbau der neuen Lager braucht man einen kleinen Trick. Das erste Lager kann vorsichtig normal reingeschoben werden. Wenn man das Lager ohne Verkanten reinschiebt, geht das wunderbar ohne Werkzeug bis zum Anschlag. Zwischen den beiden Lagern wird ein Ring als Abstandshalter benötigt. Damit dieser in der korrekten Position bleibt, während man das 2. Lager und danach die Achse einbaut, schiebt man einfach schon mal irgend einen Gegenstand mit passendem Durchmesser durch. Ist gerade nichts passendes da, tut es auch ein Pappstreifen, den man zusammenrollt. Da sich der Pappstreifen wieder entrollten möchte, werden Kugellager und Abstandshalter zueinander zentriert.


Nachdem das 2. Lager auch eingesetzt wurde, sichert man beide Lager wieder mit dem Feder- und Sprengring. Man kann jetzt von Unten die neue Achse mit neuem Zahnrad einbauen; auch das sollte - sofern es sich nicht verkantet - ohne grösseren Kraftaufwand gehen. Dabei schiebt man den Pappstreifen o.ä. nach oben mit raus. Leichte Hammerschläge von unten sind ok und manchmal auch nötig.


Neues Zahnrad montiert
Neues Zahnrad montiert
Sitzt die neue Achse in ihrer korrekten Position, schraubt man von oben den Plastikmitnehmer drauf. Handfest zuschrauben reicht. Werkzeug ist hier nicht nötig. Die Verbindung zieht sich dann im Betrieb schon fest genug zu.


Zahnriemenantrieb von unten
Zahnriemenantrieb von unten
Den Zahnriemen hängt man am Besten ein, in dem man ihn zuerst um das neue Zahnrad legt und danach auf das Zahnrad der Motorachse. Ein paar Mal von Hand rumdrehen bis er richtig sitzt, und dann kann man schon mit dem Zusammenbau des Geräts in umgekehrter Reihenfolge loslegen, d.h. alle Schrauben wieder festziehen, Kabel wieder befestigen, Steckerbinder wieder zusammenstecken etc.


Ist alles korrekt zusammengebaut, geht's ans Testen. Man füllt den Topf mit ca. 1 Liter Wasser und setzt ihn mit Deckel ins Gerät. Dann einschalten, langsam(!) die Drehzahl erhöhen und durch den transparenten Kunststoffdeckel prüfen, ob das Messer sich mitdreht. Dabei auf ungewöhnliche Geräusche achten. Hat man die Maximaldrehzahl erreicht, kann man den Motor nach ein paar Sekunden wieder Stoppen. Das Gleiche nun nochmal mit Heizfunktion, um festzustellen, ob die Heizung korrekt arbeitet. Der Topf sollte dabei nach etwa einer Minute deutlich warm werden. Man kann dann auch noch die Waage prüfen.


Funktioniert alles, hat man ein damals teueres Gerät für einen günstigen Preis vor dem Wertstoffhof gerettet.


Info: Die Bilder wurden nach der Reparatur des Gerätes gemacht; dadurch erscheint es so, als ob beim beschriebenen Öffnen das Zahnrad noch/bereits intakt ist.



Letzte Änderung: 2017-10-10 09:38:48
Seite erzeugt in 0.01 Sekunden (23.1 kB)